Pflanze des Monats: Gewöhnlicher Giersch

Giersch gilt in vielen Gärten als lästiges Unkraut – hartnäckig, wuchernd und nur schwer wieder loszuwerden. Kaum eine Pflanze spaltet Hobbygärtner so sehr: Die einen bekämpfen ihn verzweifelt, die anderen schätzen ihn als vielseitiges Wildkraut voller Geschmack und wertvoller Inhaltsstoffe. Denn trotz seines schlechten Rufs lohnt es sich, dem Giersch eine Chance zu geben – sei es in der Küche, als Heilpflanze oder einfach als Teil einer lebendigen Natur im Garten.

„Drei mal drei, bist beim Giersch dabei“, so lautet ein vielzitierter Merksatz zur Bestimmung. Gemeint sind damit der dreikantige gefurchte, kahle Stängel, an dem dreigeteilt länglich-eiförmige Blätter mit gesägtem Rand sitzen, die meist in einer Dreiergruppe angeordnet sind.

Besonderheiten

Giersch wird oft als lästiges Unkraut angesehen, doch nach dem Motto „Essen statt Jäten“ lohnt sich ein anderer Blick auf die robuste Pflanze. Besonders typisch sind ihre langen unterirdischen Rhizome, die leicht abbrechen und sich dadurch rasch weiterverbreiten. Genau diese Eigenschaft macht Giersch für viele Gärtner schwer zu bekämpfen – gleichzeitig sorgt sie aber dafür, dass die Pflanze beinahe das ganze Jahr über reichlich verfügbar ist. Zudem ist Giersch äußerst widerstandsfähig und sogar bis etwa −28 °C frostverträglich.
Im Garten kann die Pflanze trotz ihres schlechten Rufes durchaus nützlich sein. Als mineralstoffreiche Jauche eignet sich Giersch hervorragend zur Stärkung ausgelaugter Pflanzen wie Tomaten, Gurken, Kartoffeln oder Kürbis. Auch abgeschnittene Pflanzenteile lassen sich als natürlicher Dünger oder schützende Mulchschicht gegen Trockenheit verwenden.
Wie viele Wildpflanzen kann auch Giersch von Schädlingen und Krankheiten betroffen sein. Gelegentlich treten Rostpilze, Mehltau oder Blattgallen auf, die durch bestimmte Pilze oder Blattflöhe verursacht werden. Wichtig ist außerdem die sichere Bestimmung der Pflanze, da Verwechslungsgefahr mit giftigen Doldenblütlern wie dem Gefleckter Schierling, der Hundspetersilie oder dem Taumel-Kälberkropf besteht. Deshalb sollte Giersch nur gesammelt werden, wenn die typischen Merkmale eindeutig erkannt werden können.

Geschichte

Die Pflanze zählt zu den ältesten bekannten Wildgemüsen Europas und wurde vermutlich bereits in der Steinzeit genutzt.
Als einer der ersten Frühlingsboten verbreitet sich die Pflanze schon ab März und galt deshalb lange als wichtiges vitaminreiches Nahrungsmittel nach dem Winter. Im Mittelalter war Giersch nicht nur ein beliebtes Gemüse, sondern auch eine bedeutende Heilpflanze. Mönche und Nonnen bauten ihn gezielt an und verwendeten ihn unter anderem gegen Gicht, Rheuma, Darmbeschwerden, Wurmbefall und Hautverletzungen. Zerdrückte Blätter dienten als Umschlag bei Insektenstichen, Schnittwunden oder schmerzenden Gelenken.
Sein wissenschaftlicher Name Aegopodium podagraria verweist bereits auf seine historische Bedeutung.
„Aegopodium“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Ziegenfuß“, da die Blattform an einen Ziegenhuf erinnert. Der Artname „podagraria“ bezieht sich auf „Podagra“, die historische Bezeichnung für Gicht. Auch viele volkstümliche Namen wie „Zipperleinskraut“ oder das englische „goutweed“ weisen auf die traditionelle Verwendung gegen Gicht hin. Bereits seit der Antike wurde Giersch in der Heilkunde bei Gelenkbeschwerden, Ischias und verschiedenen Verletzungen eingesetzt und galt lange als wertvolle Arznei- und Nahrungspflanze zugleich.

Medizinisches und Heilwirkungen

Jahrhunderte wird Giersch bereits in der Volksheilkunde geschätzt. In der Küche lassen sich vor allem die jungen Blätter nahezu die ganze Saison über verwenden. Etwa als Blattgemüse im Salat, in Suppen, Aufstrichen oder Pesto. Durch den hohen Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen gilt Giersch als besonders nährstoffreich und enthält sogar deutlich mehr Mineralstoffe als Grünkohl.
Auch als Heilpflanze findet Giersch vielseitige Anwendung. Ihm werden entwässernde, entsäuernde, harntreibende und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Traditionell wird er unterstützend bei Beschwerden wie Gicht, Rheuma, Gelenk- und Ischiasschmerzen, Verdauungsproblemen, Blasenentzündungen, Hautreizungen oder Hämorrhoiden eingesetzt. Frisch zerquetschte Blätter können außerdem bei Insektenstichen, kleinen Wunden oder
leichten Verbrennungen beruhigend wirken. In der Volksheilkunde werden häufig Tee, Frischpresssaft oder Badezusätze aus Giersch verwendet – etwa zur Linderung von Rheuma, Hexenschuss oder Ischiasbeschwerden.

Vorkommen

Der Giersch ist in großen Teilen Europas und Asiens verbreitet und wächst bevorzugt an Waldrändern, Bachläufen, Hecken, Viehweiden sowie in lichten Bergwäldern bis etwa 1800 m Höhe. Auch in Gärten und Parkanlagen ist die bis zu 80 cm hohe Staude häufig zu finden. Dort gilt sie vielen als hartnäckiges Unkraut, da sie sich schnell ausbreitet und anderen Pflanzen Konkurrenz macht. Gleichzeitig wird Giersch jedoch auch als pflegeleichte und robuste Zierpflanze geschätzt, deren dekoratives Blattwerk und feine weiße Doldenblüten natürliche Akzente setzen.
Besonders wohl fühlt sich Giersch an halbschattigen bis schattigen Standorten, wächst aber auch in der Sonne. Er bevorzugt humose, tiefgründige und nährstoff- beziehungsweise stickstoffreiche Böden, die gleichmäßig feucht bis frisch sind. Häufig tritt er gemeinsam mit Brennnesseln auf, was ebenfalls auf einen nährstoffreichen Boden hinweist. Bei längerer Trockenheit lässt die Pflanze ihre Blätter hängen und zeigt damit deutlich ihren Wasserbedarf an. Durch seine Anspruchslosigkeit eignet sich Giersch sogar für Kübel oder Balkonkästen.

Morphologie

Es handelt sich um eine ausdauernde, aufrecht wachsende Staude, die je nach Standort eine Höhe von etwa 30 bis 90, teilweise sogar bis zu 100 cm erreichen kann. Die Pflanze bildet dichte Bestände und kann sich mit einer Breite von bis zu 1,2 m stark ausdehnen. Dank ihres robusten Wuchses gilt sie zudem als windverträglich. Als Flachwurzler entwickelt Giersch lange, weiße und leicht abbrechende Wurzelausläufer, durch die er sich schnell verbreitet.
Typisch für den Giersch sind seine lang gestielten, ein- bis zweifach dreizählig gefiederten Blätter. Die einzelnen Blättchen sind eiförmig, zugespitzt und teilweise asymmetrisch geformt, während die Blattbasis häufig einen leicht rötlichen Farbton zeigt. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist außerdem der hohle, gerillte und deutlich dreikantige Stängel. Von Mai bis September erscheinen die kleinen weißen Blüten in flachen, zusammengesetzten Dolden. Die jungen Blätter können bereits ab März geerntet werden und eignen sich bis in den September hinein zur Verwendung in der Küche.

Biodiversität

Giersch spielt eine wichtige Rolle für die Biodiversität, da er als typische Doldenblütler-Art eine große Vielfalt an Insekten anzieht. Besonders im Sommer sind die weißen Blütendolden stark frequentiert und dienen Bienen, Schwebfliegen, Schmetterlingen, Käfern und Wanzen als reichhaltige Nahrungsquelle für Nektar und Pollen. Durch die offene Struktur der Doppeldolden entsteht ein leicht zugängliches Blütenangebot, das zahlreiche Arten anlockt.
Insgesamt wurden bereits rund 150 verschiedene Insektenarten am Giersch beobachtet. Dazu gehören sowohl Bestäuber als auch Nützlinge wie Schädlingsbekämpfer oder sogenannte „Nährstoffrecycler“, die eine wichtige Funktion im Naturhaushalt übernehmen. Auch räuberisch lebende Insekten profitieren von den vielen Blütenbesuchern und nutzen die Pflanze als Jagdrevier.
Darüber hinaus ist Giersch für einige Schmetterlingsarten besonders bedeutsam: So nutzen beispielsweise der Dukatenfalter, der Schwalbenschwanz und der Kleiner Eisvogel die Pflanze zumindest in bestimmten Entwicklungsstadien als Lebensraum oder Nahrungsquelle. Dadurch leistet Giersch trotz seines Rufes als „Unkraut“ einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt im Garten und in der Natur.

Bekämpfung

Hat der Giersch Sie nicht überzeugt? Dann sind hier ein paar Tipps zur Bekämpfung.
Der Giersch gilt allerdings als sehr schwierig loszuwerdenen, da er sich über ein weit verzweigtes Wurzelsystem schnell wieder regenerieren kann. Selbst wenn die oberirdischen Teile oder Teile der Wurzeln entfernt oder gehackt werden, treibt die Pflanze meist erneut aus. Auch herkömmliche Herbizide sowie sogar Glyphosat zeigen oft keine vollständige Wirkung, da sie das gesamte Wurzelnetz nicht zuverlässig abtöten. Selbst längere Abdeckungen können die Pflanze zwar schwächen, beseitigen jedoch nicht die im Boden verbleibenden Samen.
Eine nachhaltige Bekämpfung ist daher meist nur durch konsequentes und langjähriges Entfernen der Blätter möglich, wodurch die Pflanze nach und nach geschwächt wird. Als mechanische und giftfreie Methode wird auch der Anbau von schnell wachsenden Kulturen wie Kartoffeln empfohlen, die dem Giersch Licht und Nährstoffe entziehen und ihn dadurch unterdrücken können. Durch regelmäßiges Nacharbeiten beim Ernten kann der Bestand weiter reduziert werden.
Im Handel werden zudem spezielle Wachstumsregulatoren auf Basis von Maleinsäurehydrazid oder Pelargonsäure angeboten, die gezielt gegen Giersch eingesetzt werden können. Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Pflanze insgesamt sehr widerstandsfähig und schwer dauerhaft zu beseitigen.

Quellen

NABU – Giersch Pflanzenporträt (o. J.): Giersch. Online verfügbar unter: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen
pflanzenportraets/wildpflanzen/22952.html (Zugriff: 10.05.2026).
Stephan, H.; Wichert, M.; Puhlmann, T.; Hadj Ahmed, S. (2026): Aegopodium podagraria. Online verfügbar unter: https://
www.naturadb.de/pflanzen/aegopodium-podagraria/ (Zugriff: 10.05.2026).
Hoppe, I. (2026): Giersch: Energie-Kick aus dem Garten. Online verfügbar unter: https://www.swr.de/leben/gesundheit/
giersch-energie-kick-gartenkraut-heilpflanze-wirkung-verwendung-garten-kueche-limonade-smoothie-salat-100.html
(Zugriff: 10.05.2026).
KPV Bayern (o. J.): Kräuterwissen: Giersch. Online verfügbar unter: https://kpv.bayern/kraeuterwissen/giersch (Zugriff:
10.05.2026).
Tolani, M. (2018): Giersch. 1. Auflage. Fränkisch-Crumbach: Tosa Verlag. ISBN: 978-3-86313-077-0.
Biodiversität und Schönheit (o. J.): Giersch – Aegopodium podagraria: Biodiversität & menschliches Wohlbefinden. Online
verfügbar unter: https://www.xn–biodiversitt-und-schnheit-vec90c.de/Pflanzenvielfalt/Giersch-Aegopodium-podagraria-
Biodiversit%C3%A4t-menschliches-Wohlbefinden (Zugriff: 10.05.2026).
Wikipedia (o. J.): Giersch. Online verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Giersch (Zugriff: 10.05.2026).

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